Zeitungs-Kritik
zur Orff-Medaille

Orffmedaille für ‘Super-Entertainer’

150 Besucher kamen zu Verleihung und Konzert im Marstall-Saal -
Preisträger Bastian Pusch: ‘Musik muß Spaß machen’

Das war ein höchst vergnüglicher Abend und ein durchaus ungewöhnlicher Rahmen für eine Orff-Medaillen-Verleihung: Der diesjährige Preisträger Bastian Pusch präsentierte sich als ‘Super-Entertainer’, wie das ein Besucher trefflich beschrieb. Sein ebenso perfektes wie mit ganzem Körpereinsatz inszeniertes Klavierspiel, seine verschmitzte Mimik, seine Eigenkompositionen und seine brillanten Texte sowie dievon ihm eingeladenen Musiker und Sänger - das alles verschmolz zu einer Bühnenshow vom Feinsten, die rund 150 Besucher hatten ihr Freude an dem kurzweiligen Programm.

Da wurde die Verleihung der Orffmedaille schon fast zur Nebensache, aber auch die hatte seine besondere Note, im wahrsten Sinn des Wortes. Markus Lentz, Leiter der Traunwalchner Musikschule, Vorsitzender des Vereins ‘Orff 95’ und ‘nebenbei’ ganz hervorragender Cellist, spielte mit Pusch zusammen in perfekter Harmonie einige von diesem komponierte Melodien.
Wolfgang Rösner vom Orff-Verein, der Pusch als Preisträger vorgerschlagen hatte, stellte ihn aus seinem privaten und schulischen Umfeld heraus vor. Schon in der Familie habe Singen und Musizieren einen hohen Stellenwert  besessen, von 1975 vis 1989 genoss Pusch Klavierunterricht an der Musikschule. Im Gymnasium Traunreut war Pusch im Chor und in Schülerbands dabei. Er übernahm damals auch den Pianopart an der Bigband der Musikschule. Schon seinerzeit habe er Eigenkompositionen mit eingebracht.
So richtig losgeslegt habe er aber nach dem Abitur: Insgesamt sei er eigentlich ein äußerlich ruhiger Typ, der aber bei seiner Musik so richtig explodieren könne. Seine vielfältige Tätigkeit - Musik, Singen, Tanzen, Texten, Theaterspielen - wäre ganz im Sinn von Carl Orff gewesen, der in seinen Stücken auch viel hintergründigen Humor gezeigt habe. Orff hätte, so Rösner, an dem heurigen Orffmedaillen-Preisträger seine helle Freude gehabt. Markus Lentz überreichte schließlich die Medaille an Bastian Pusch; es habe, so hatte Rösner zuvor noch aus dem Nähkästchen geplaudert, viel Überzeugungsarbeit erfordert, den Preisträger überhaupt zur Annahme der Ehrung zu bringen
Den Hauptteil des Abends gestaltete Bastian Pusch mit seinem Trio ‘The Real Cats’. In einem vielfältigen Programm - eigenen Melodien und Texten, umgedichteten Liedern sowie eingängigen Rhythmen aus Blues und Jazz - konnten sich die Zuhörer selbst von der musikalischen Vielfalt Puschs überzeugen. Dabei war die offensichtliche Freude am musikalischen Vortrag, die Pusch und seine Musiker ausstrahlten, schon eindrucksvoll. Ein weiteres taten Puschs geniale Texte, unglaublich gut und wirkungsvoll musikalisch verpackt. ‘Alltags-Lyrik’ nannte er diejenigen seiner Lieder, die etwas die Fehlermeldungen von Computern zum Inhalt hatten, oder die sich mit der Bedienungsanleitung von U-Bahn-Karten oder den Inhaltsstoffen von vakuumverpacktem Leberkäs befassten. Die letzteren beiden Lieder und noch ein drittes über die Gedanken eines eingefleischten München-Bewohners ‘Warum nicht München?’ wurden vom Gesangsensemble ‘Madrigales’ vorgetragen, deren hervorragende Sänger es relativ kurzfristig geschafft hatten, die nicht ganz einfachen Melodien und Texte einzustudieren.
Zwischendurch fand Bastian Pusch, im ersten Teil in strahlend weißem Anzug, im zweiten mit einer knallorangen Jacke angetan - immer noch ausreichend Zeit, sein Publikum anzusprechen. Er erwähnte die wichtige Rolle seiner Eltern, die mit viel Hartnäckigkeit, vielem gutem Zureden und regelmäßigem Zahlen der Musikschulbeiträge viel zu seiner Karriere biegetragen hätten. ‘Ich mache gerne Musik, und manchmal merkt man das auch’ meinte er. ‘Ich habe keinen Chef und kann manchmal lange ausschlafen’ nannte Pusch die Vorteile seiner ‘Ich-AG’, mit der er trotz insgesamt schlechter Zeiten gut im Sattel sitze. Dass auch da das Geld die Welt regiert und der Musiker mal irgendwo spielen muss, wo es ihm nicht so Spaß macht - ‘eine Woche lang jeden Abend vor etwas 200 LKW-Händlern’ - ließ er in einem Lied heraus, das er ‘Perlen vor die Säue’ getauft hatte. Ganz zum Schluss appelierte er noch an alle Musiklehrer, ihren Schülern vor allem ‘Freude an der Musik’, wie er sie selber empfinde, zu vermitteln.
Pusch selber hat im Rahmen seiner vielfältigen Tätigkeiten auch einen Lehrauftrag für eine Bigband an der Fachhochschule München und hat dabei unter anderem eines gelernt: ‘Man kann viel bewegen, wenn man selber zeigt, dass einem die Musik großen Spaß macht!’.

von Hans Eder

Traunreuter Anzeiger/Trostberger Tagblatt, 27.04.05

© Bastian Pusch, 2008

Letzte Änderung: 22/07/08