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Lesung mit Ganzkörpereinsatz
"Gespräch eines Betrunkenen mit einem nüchternen Teufel" im bosco
Von A. Amelungse-Kurth
Gauting - Der Andrang war so groß, dass man in den großen Saal umziehen musste. Einerseits ungewöhnlich, da doch eine Lesung auf dem Programm stand,
andererseits auch wieder nicht, traten mit Sebastian Hofmüller und Gisela Auspurg zwei heimische Künstler auf. Sie aber brachten, um dem Ganzen einen Spritzer Neues zu verleihen, mit Bastian Pusch noch einen Pianisten mit, ein Vollblutmusiker mit herausragendem Kompositionstalent. Der Münchner Künstler spielt in mehreren Bands mit, Jazz, Soul, Funk und Pop, begleitet den Kabarettisten Arthur Senkrecht, ist regelmäßig im Fastfood Improtheater und in Fernsehshows wie der Bully Parade zu hören, hat hunderte Auftritte für Firmen auf dem internationalen Parkett hinter sich und ist Lehrbeauftragter der FH München im Bereich Bigband.
Die Entdeckung des Abends war - ohne die Leistung des Schauspielers abwerten zu wollen - , die Musik. Sie wurde eigens zu den Texten komponiert, denn, so Pusch zu diesem Programm im Internetauftritt, "Der
Teufel steckt bekanntlich im Detail" und das war großartig. Pusch moduliert feinnervig und sensibel, schafft große Stimmungen, melancholische Träumereien und jazzt wie der frühe Keith Jarrett. Er komponierte
für Auspurg schaurige Celloklänge genauso wie lyrischmelancholischen Schmelz, den diese konzentriert und punktgenau bündelte. Und selbst hüpft er beschwingt über die Tasten, manchmal aber auch schwermütig wie ein
hinkender Soldat.
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Mit Grübchenlächeln den Saal im Griff Und um Soldaten und Teufel ging es oft an diesem Abend. Nicht nur in der Titelgeschichte Anton Tschechows, dem "Gespräch
eines Betrunkenen mit einem nüchternen Teufel". Der junge Schauspieler Sebastian Hofmüller, der im Theaterforum groß geworden ist. Der als Schüler hinter der Theke jobbte und
hier zum Theaterfreak erweckt wurde. Der nach der Schauspielschule bei der Münchner Schauburg engagiert wurde. Er hat für
diesen Auftritt zehn Texte zu sammengestellt, die inhaltlich durch Musik und wiederkehrende Motive und Figuren zusammengehalten wurden.
Die Kurzgeschichten, Novellen, Anekdoten aus der Feder Kleists, Tschechows, Kästners und der in Deutschland wenig bekannten
amerikanischen Schriftstellerin Natalie Babbit trug der Nachwuchsschauspieler frei, locker und mit Ganzkörpereinsatz vor. Er
spielt den katzbuckelnden Untertan genauso wie den herrischen Despoten oder die zickend hochnäsige Dame, gewinnt die Herzen
des Publikums mit seinem charmanten Grübchenlächeln und hat spätestens bis zur Pause den Saal fest im Griff. Viel Applaus für die drei Künstler, die mit Zugaben dankte.
Photo: Stefan A.Schubauer von Jena
Starnberger Merkur, 14.11.06
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