Starnberger Merkur
05.10.09

Geistreiche Melange aus Text und Ton, Trio lässt die Abenteuer des Don Quijote mit Cello, Klavier und Zitaten aufleben

VON RAFAEL SALA

Gauting –Vertonungen des weltberühmten Romans „Don Quijote de la Mancha“ von Miguel de Cervantes gibt es wie Sand am Meer. Doch dank der Genialität des Buches finden sich immer wieder Schlupflöcher mit einer schier unendlichen Fülle klanglicher Gestaltungsmöglichkeiten, die so sympathisch sein können wie die tolldreisten Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt selbst. Eine dieser Art ist die des Pianisten und Komponisten Bastian Pusch: Im bestens besuchten Gautinger bosco feierte das Hörabenteuer „Miguel de Cervantes – Don Quijote von der Mancha“ Premiere.

Mit einer ebenso amüsanten und spritzigen wie geistreichen Melange aus Text und Ton durchstreiften Pianist Pusch, die Cellistin Gisela Auspurg und Sprecher Sebastian Hofmüller die bizarren Landschaften unter der sengenden Sonne Spaniens, die von verschrobenem Volk wie dem verrückten Edelmann und seinem ergebenen Knappen, fahrenden Händlern, Viehhirten, kauzigen Pfarrern, stolzen Wirten, Huren und schrulligen Typen bevölkert sind. All diese Charaktere kamen nuancenreich zur Geltung – durch die Musik, die Pusch und Auspurg glänzend auf die jeweiligen Gegebenheiten zuzuschneiden wussten.
Köstlich etwa, wie der schlagartig einsetzende Wahnsinn des angehenden Ritters mit Lanze, Tartsche und dem klapprigen Gaul Rosinante mit jaulenden Intervallsprüngen auf den Metallsaiten des Cellos angekündigt und sogleich in einem

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Klangnebel mit flirrenden Akkorden und Tremoli über den Tasten des Klaviers weitergesponnen wird. Pusch gelingt der Kunstgriff, jede Episode und sogleich in einem Klangnebel mit flirrenden Akkorden und Tremoli über den Tasten des Klaviers weitergesponnen wird. Pusch gelingt der Kunstgriff, jede Episode mit nur ein paar markanten melodischen und rhythmischen Wendungen zu würzen. Es wird der rhapsodischen Reihung der literarischen Vorlage musikalisch Rechnung getragen. Wie ein kleines Hörspiel verwebt das Trio Musik und Wort zu einem literarisch-musikalischen Erlebnis. Raffiniert gehen die Entwürfe von Cello und Klavier auf die Ritter-Erlebnisse ein, eine Mischung aus Klassik und Jazz, die – wie Auspurgs eingangs schilderte – eigens für dieses Projekt komponiert wurde.
Was ihr und ihrem Kollegen am Klavier gelang, das setzte Hofmüller, der in Gauting die Grundschule besuchte, eine Schreinerlehre absolvierte und sich später an der renommierten Otto-Falckenberg- Schule in München zum Schauspieler ausbilden ließ, trefflich in Worte um. Mit lausbubenhaftem Baierisch kolorierte der hagere Mann mit dem struppigen blonden Haar und den wasserblauen Augen den gediegenen Wortschwall seines Helden Don Quijote, und Aussprüche wie „O du, wer du auch seist, übermütiger Ritter, der du dich nahest, die Waffen des allertapfersten Irrenden anzurühren“ kamen so flugs aus seinem Mund geschossen, dass viele arge Mühe hatten, sich ein lautes Loslachen zu verkneifen. Hätte er nur weniger mit dem Zeigefinger gefuchtelt, um die Groteske gestisch herauszuschälen, der Auftritt wäre vom Allerfeinsten gewesen.
Foto: Schubauer von Jena

Quelle: Starnberger Merkur Lokales 8, Montag, 5. Oktober 2009 | Nr. 228
 

© Bastian Pusch, 2009

Letzte Änderung: 06/10/09