Genial absurd
Bei Arthur Senkrecht lief “Alles nach Plan”
Die Bühne verwüstet, der Entertainer verwundet, das Sakko besudelt und das Manuskript in tausend Fetzen - hier lief “Alles nach Plan”. Das so benannte neue Programm von Arthur Senkrecht, das bis
21. März in der Drehleier läuft, zeigt den verzweifelten Entertainer einmal mehr im Kampf um die Leichtigkeit. Der glucksende Bayer mit den zügellos herumfuchtelnden Gliedmaßen versucht wieder, ein Musikprogramm zu
bestreiten. Schade für ihn, dass alles bereits von der ersten Sekunde an aus dem Ruder läuft.
Dieser Arthur Senkrecht, die Figur des herumtrottelnden Schauspielers Arnd Schimkat, erweist sich erneut als gelungene Schöpfung: Er ist rührend, boshaft, unerträglich und eine arme Sau. Er kann
heulen wie Stan Laurel und kurz darauf wieder eintreten auf den vermeintlich Untergebenen. “Ich bin vom Charakter her ein bisschen anstrengend”, bekennt der Künstler.
Mit Bastian Pusch hat er nicht nur optisch einen vorzüglichen Widerpart gefunden. Als seriöser Musiker mit zwanghaftem Piano-Putzwahn hat dieser seine Probleme mit dem fahrigen Senkrecht. Dieser
drangsaliert ihn mit kruden Bühnenanweisungen und stellt sogar mehrfach Gegenstände aufs Klavier.
Gemeinsam verlieren sie sich mehrfach kunstvoll im Irrsinn, bis Senkrecht wieder kleinlaut vors Publikum treten muss: “Jetzt ist folgende Situation...” Doch trotz aller Mißgeschicke,
Eifersüchteleien und gegenseitigen Sabotagen gehen der 2-Meter-Mann Senkrecht und sein 35 Zentimeter kleinerer Kollege am Ende des scheinbar wirren Abends als siegreiches, brillantes Comedy-Gespann hervor.
So ist “Alles nach Plan” Kleinkunst ohne jeden flach-politischen Witz oder dick aufgetragene Obszönitäten, allerbestes absurdes Theater.
von Richard Oehmann
Münchner Merkur, 12.03.04
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