Süddeutsche Zeitung

Slapstick, Sprachwitz und Scharmützel

Vergnüglicher Comedy-Abend im "Nachtasyl" mit Arthur Senkrecht und dem Pianisten Bastian Pusch

Germering * Am Ende eines vielseitigen Abends mit Arthur Senkrecht stellt sich die Frage, was am Meisten haften bleibt: Das harmlose, rhythmische Verschieben von Gemüsedosen, das sich auswächst zu einer hemmungslosen Salsa-Huldigung, an deren Ende der Pianist Bastian Pusch auf seinem Klavierhocker steht und "De la conserva" ins Publikum schreit? Die Tatsache, daß Arthur Senkrecht seinen leiblichen Vater im Publikum des "Nachtasyls" sucht: "Theoretisch könnte das jeder von ihnen sein"? Vielleicht ist es am besten, mit dem Schluß von jenem Donnerstagabend zu beginnen, als sich alles in Wohlgefallen auflöst.

Zwar verschluckt Arthur Senkrecht da aus Versehen sein Mikrofon, aber immerhin reichen er und Bastian Pusch, sein kongenialer musikalischer Begleiter, sich die Hand. Was vorher, bei großer Antipathie auf beiden Seiten, undenkbar war. Am Anfang nämlich sind die Rollen klar verteilt: Links der Pianist und rechts die "Attraktion" Arthur Senkrecht alias Arnd Schimkat.

Schimkat verkörpert lustvoll und mit brilliantem Slapstick einen Künstler, dessen Selbstsucht tragik-komische Blüten treibt. Er sorgt immer wieder selbst dafür, daß er sich bis auf die Knochen blamiert: Wenn er sich einen Schellenkranz um den Hals legt, und ihn nicht mehr wegbekommt, oder mit zwei Fingern in der Teekanne stecken bleibt: "Alles nach Plan" lautet Arthur Senkrechts Lebensmotto, und zu diesem Zweck hat er eine Tasche dabei, mit Utensilien für 123 theoretische Notfälle: "Wenn ich Bundeskanzler bin und nach 16 Jahren zufällig nicht mehr wiedergewählt werde", dann kommt sein Aktenvernichter von ALDI zur Geltung.

Es bleibt der einzige politische Gag in dem knapp zweistündigen Programm. Der Fluß lebt von den privaten Scharmützeln zwischen Pusch und Senkrecht, die harrsträubende Wendungen nehmen. Von der groteskten Körpersprache und dem großen musikalischen Potenzial, das beide miteinander vereint. Pusch jazzt, ist eine menschliche Beatbox, und Senkrecht rappt, schmachtet oder verdreht seine Knie dazu.

Am Ende übernimmt Pusch das Kommando: "Der Witz", doziert er, "ist die Verknüpfung zweier kontrastierender Elemente unter Zuhilfenahme der sprachlichen Assoziation". Und auch, wenn Senkrecht nur "Sackgesicht" darauf begegnet, kommt das - gemessen an den Lachern im Publikum - einem Witz recht nahe.

von Florian Kaindl

SZ, 13.10.04

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© Bastian Pusch, 2008

Letzte Änderung: 22/07/08