Ein Paar wie Pat und Patachon
Unbeschreiblich herrlicher, zwerchfellerschütternder Blödsinn im NUTS
mit Arthur Senkrecht und Herrn Pusch
“Also, ich hab da eine Bühnenanweisung, das steht drin, was jeder Künstler, das bin ich, alles technisch auf der Bühne benötigt”. Der Schauspieler Arnd Schimkat ist Arthur Senkrecht, der
schrägste Vogel zurzeit unter den deutschen Komikern. Zusammen mit dem Traunreuter Pianisten Bastian Pusch sorgte er in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS für absolute Stimmung. Oft wusste man nicht, wer besser war:
der kleine 165 Zentimeter, mit Absätzen 176 Zentimeter große Herr Pusch, oder der Zwei-Meter Mann Arthur Senkrecht.
Ein Paar also wie Pat und Patachon. Der Pianist korrekt im dunklen Anzug und Arthur mit schlaksiger türkisfarbener Hose und viel zu kurzen Ärmeln am Jackett. Er kam mit einer großen Tasche, weil
er für alle Notfälle alles dabei haben muss, beispielsweise einen Spray, um damit die stinkenden Schuhe des Pianisten zu besprühen, eine Gasmaske, einen Feuerlöscher und, und,und. “Der Pianist wir vom Theater
gestellt, denn da kommt er mir billiger und ich muß ihn nicht durchfüttern”.
“Jetzt ist folgende Situation”, mit diesem Satz blickt er verlegen ins Publikumund windet die Hände und tritt auf der Stelle. Diese Szene sehen die Zuschauer noch einige Male in seinem Programm,
und die Gäste können darüber auch beim zehnten Mal noch lachen. Sein Programm “Alles nach Plan” läuft dann doch nicht ganz so.
In der Tat hat sich der Münchner Mime Arnd Schimkat einen Charakter geschaffen, der auch nach zehn Jahren noch höchst gewöhnungsbedürftig ist. Wie eine aufgescheuchte Marionette eiert der lange
Lulatsch herum. “Ist der nicht ganz echt” meinte gleich am Anfang eine Zuschauerin, die aber dann eines Besseren belehrt wurde. Noch fehlte dann gleich zu Beginn seines Parts der Pianist, der aber dann endlich kam,
“größer gehts wohl nicht”, sagt Arthur, als Bastian Pusch ihm gerade bis unter die Achsel reichte. er kam in seriösem grauen Anzug, mit Aktentasche. “Ich bin hier die Attraktion”, stellte der Schlacks schnell klar,
“Sie sind nur der Pianist, Sie sind austauschbar”. Sein Blick ins Publikum, “Im Grunde gilt das für jeden hier im Saal”. Die Lieder, die Senkrecht singt, sind sehr persönliche Lieder, über sich selbst. “Die Frauen
fangen an zu weinen, das liegt an meinen superlangen Beinen”, oder über die Geliebte “Oh Margarete, wie ich dich anbete”, oder “Superstar, jetzt erst recht, hier komme ich, Arthur Senkrecht”. Er besingt auch seinen
Freund Torsten Schimmelfleck an der Wand, oder den Vater, den er nicht kennt.
Senkrecht rappt, tanzt Salsa, missbraucht den Blues. Pusch brilliert derweil am Klavier, imitiert ein Schlagzeug und ist immer wieder dabei, sein Klavier zu putzen, was den Anderen wahnsinnig
macht, bis er endlich seinen Putzfimmel ablegt und selber drauf rumschmiert. “Da kam folgende Situation. Meine Mutter sagte zu mir, ich bin doch gar nicht so blöd. Ich muß nur fest dran glauben.” Das Publikum
glaubte auch an die beiden, denn der Show-Fuzzi von der lächerlichen Gestalt und sein Widerpart Pusch sind ein köstliches Blödel-Duo, ohne flachpolitischen Witz oder dick aufgetragene Obszönitäten, allerbestes
absurdes Theater. Welch ein unbeschreiblich herrlicher, zwerchfell-erschütternder Blödsinn!
Traunsteiner Tagblatt, 20.10.04
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